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Serie Kriminalromane (Reed) #6
Autor Allan Reed
(Wolf Detlef Rohr)
Titel Angst ohne Ende
Kriminalroman aus der Welt von Morgen
Verlag Ravena Verlag
Düsseldorf - Basel
Jahr 1956
Titelbild G. Rebentisch
Titelbild 2 Johnny Bruck
Nachdrucke
  • 1956: "UTOPIA Kriminal Roman" Heft # 9 · Erich Pabel Verlag, Rastatt · 90 S. · Cover: Johnny Bruck. 
  • Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
    bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
    Daten zuletzt bearbeitet
    von
    Alfred Beha

    ALLAN REED
    [ Wolf-Detlef Rohr (1928-1981) · alias Wayne Coover ]

    ANGST OHNE ENDE

    Lieber Leser! Sie haben schon lange keinen neuen Kriminalroman aus der Welt von Morgen mehr gelesen. Offen gesagt: Allan Reed dachte, Sie interessierten sich nicht so sehr für seine Bücher - - - aber dann kamen Hunderte von Anrufen und Zuschriften und immer wieder fragte man den Verlag "Warum gibt es keine Kriminalromane aus der Welt von Morgen?" Nun, es gibt welche und dies ist der erste, den Allan Reed nun nach langem Schweigen wieder vorlegt. Sie werden selbst sehen: er ist noch viel besser als die früher erschienenen.

    Man könnte es für einen Scherz halten, dieses Ultimatum eines Verrückten. Aber es ist kein Scherz. Der Mann hat sogar recht, tausendmal recht, wenn er die sofortige Einstellung aller Versuche mit Atomwaffen und Kobaltbomben fordert. Aber er hat nicht recht, wenn er die ganze Erde in die Luft sprengen will. Duke Gilberth weiß: er wird es tun, wenn er in zehn Tagen noch lebt. Und er wird es auch können, dieser Professor Sten McCarmick.

    Die erste Warnung hat er bereits verwirklicht. Die Versuchszentrale Nevada, eine Millionenstadt, hat sich in Staub aufgelöst und keine Spur ist geblieben von den Wolkenkratzern, die dort standen, und von den Menschen, die darin wohnten. Zehn Tage noch, acht Tage, fünf Tage - Angst ohne Ende.

    Duke Gilberth treibt auf einem mit Blei beladenen Schiff, an die Planken gefesselt, ins Meer hinaus. Nach dem Willen McCarmick's muß dieser für seinen Plan gefährlichste Mann des Sicherheitsdienstes längst bei den Fischen sein, wenn er seine Absicht, die ganze Erde mit einer einzigen Atomexplosion in Weltraumstaub zu verwandeln, Wirklichkeit werden läßt. Aber noch lebt Duke Gilberth und noch hat Duke eine Chance, die Spur von einer Chance . . .

    Impressum: © 1956 by RAVENA, Basel · Einbandgestaltung: G. Rebentisch · Pannen-Druck.

    RAVENA-VERLAG · DÜSSELDORF - BASEL

    [ OA | 1956 | 253 S. | 18 x 12 | Farb. ill. Supronyl: DM 6,80 | mit einem Nachwort des Autors "Allan Reed über Allan Reed" (S. 251-253) | mit Verlagswerbung für den Kriminalroman von William P. McGivern: Ein Mann allein ] +

    [ TG Katalog-78 | Illmer-211 | ddb+ | Serowy # 1032-20 ]

    ALLAN REED ÜBER ALLAN REED
    Kriminalromane aus der Welt von morgen:

    Eine Menge Leser haben mich gefragt, warum ich gerade "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" schreibe. Nun, ich habe auch andere Kriminalromane unter meinem anderen Namen geschrieben und jeder kennt sie.

    Wenn ich "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" schreibe, dann mache ich das deswegen, um allen Freunden des Kriminalromans eine hübsche und neue Sache aufzutischen . . . Vielleicht platzt manchem dabei der Kragen! Aber als Edgar Wallace zu schreiben anfing, ist auch manchem Zeitgenossen der Kragen geplatzt. Dann haben sie sich daran gewöhnt, und endlich konnten sie nicht genug davon kriegen.

    Mir zum Beispiel platzt der Kragen, wenn ich von einem Detektiv lese, der mit einer Lupe in der Hand mit seinem Bauch auf der Erde rumkriecht und das Sandkörnchen identifiziert, das irgend jemand von seinen ausgetretenen Schuhen verloren hat, und dann sagt, was es für eine Schuhmarke wäre. Niemand kriecht heute mehr auf der Erde mit einer Lupe in der Hand. Und schon gar niemand findet so eine Schuhmarke! Ich habe drüber nachgedacht, weil ich weiß, in was für einer Zeit wir leben. Und dabei sind mir die "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" eingefallen . . .

    Als Conan Doyle 1887 seinen ersten Sherlock Holmes "Eine Studie in Scharlachrot" schrieb, war das zwar nicht der erste Kriminalroman, den es auf dieser hübschen Erde gab, aber es war beinahe eine ganz neue Sache und jeder wartete auf die nächste Sherlock Holmes-Story. Sherlock spielte Geige und raucht Shagpfeife . . . 30 Jahre später spielte kein Mensch mehr Geige, denn jeder tanzte Jitterbug und jeder las Edgar Wallace, weil Edgar das brachte, was in seine Zeit paßte. Er schrieb den "Hexer" und jedem - jedem, Freunde! - lief damals ein Schauer über den Rücken wie es kein Blues von Louis Armstrong besser machen konnte.

    Edgar Wallace ist noch immer da. Aber kein Mensch wurde mehr wild, wenn er was vom Londoner Nebel oder vom Henker in Gloucester las. Denn jeder griff sich auf einmal ein 5-Cent-Pulp, in denen Dashiell Hammetts Stories drin waren, die etwa so aussehen: "Das tote Mädchen lag in der Gosse. Sie war kein hübsches Bild. Irgend jemand hatte ihr ein Messer in die Brust gesteckt und umgedreht." Jeder weiß, wer Dashiell Hammett ist; heute wird er mit Hemmingway zusammen genannt. Jeder weiß aber auch, wer Mickey Spillane ist, den Mickey sagte sich: Kinder, was ihr schreibt, ist immer noch ein alter Hut! Er begann seine sieben "thriller" auf den Tisch zu legen - Sachen, die noch nie da waren - und deswegen konnte sie sein Verleger in 30 Millionen Exemplaren verkaufen. Denn mein Freund Mike wußte genau, was nach diesem verdammten zweiten Krieg die Leute an einem Kriminalroman haben wollten. Keine Großmutter lockt es mehr hinter dem Ofen hervor, wenn sie etwa von einem Detektiv mit einer Lupe hört! Nein, Freunde!

    Wir leben verdammt schnell, Freunde! In ein paar Jahren werden wir zum Mond finden und in ein paar Jahren wird Siegfrieds Tarnkappe Wirklichkeit sein. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, daß es wahrscheinlicher ist, wenn in 50 Jahren ein Unsichtbarer durch die große Stadt geht, als wenn ein Detektiv mit Lupe behaupten will, er könne von einem Sandkörnchen die Schuhmarke ablesen . . .

    Und deshalb schreibe ich "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" für die Welt von morgen! Daß ich genau auf dem richtigen Weg bin, weiß ich. Genügend Leute schreiben es meinen Verlegern, die dauernd auf einen neuen Roman von mir warten. Mein Verleger sagte mir auch warum. Er sagte: "Allan, wann legst du mir die nächsten 30000 Worte auf den Tisch? Die Leute warten drauf! Sie warten nicht drauf, weil deine Romane so hart und so schnell wie die von Mike sind. Da haben Mikes Nachahmer des Guten längst zuviel getan. Sie warten auch nicht drauf, weil alles seinen logischen Schluß hat. Da gibt es noch ein paar andere. Aber sie warten darauf, weil alles zusammen drin ist und weil sie diese verdammt neue Atmosphäre haben . . . Weil es um Parzellen auf dem Mond geht und weil es vielleicht um ein Mädchen geht, das weiß, daß es sterben muß, weil Radioaktivität ihren Körper zerstört."

    Jeder Freund von Kriminalromanen will doch nicht dauernd dasselbe. Er will was Neues. Und das gebe ich ihm.

    Über mich selber ist nicht viel zu sagen. Ich liebe Bulldoggen, Sportwagen, Teerosen und Sommerabende am Meer. Ich rauche 40 Zigaretten am Tag und bin nicht verheiratet. Vielleicht deswegen. Alle Mädchen sagen, Rauch legt sich auf die Gardinen. Ich werde mir mal ein Haus mit Jalousien bauen.
    Sincerely yours, Allan Reed.

    NS: . . . Der RAVENA-VERLAG und die bpa-Augsburg sind übereingekommen, daß "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" nur im RAVENA-VERLAG erscheinen. Für die Bezeichnung "Kriminalromane aus der Welt von Morgen" besteht Titel- und Ideenschutz.


    Rezensionen / Materialien:

  • siehe "Kriminalroman aus der Welt von Morgen" # 1: Allan Reed "Nur ein kleines Loch in der Stirn".