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Autor Robert O. Steiner
(Hans R. Queiser)
Titel Eron
Ein Zukunftsroman um die Liebe
Verlag Commedia
VerlagsNr. 12
Jahr 1953
Titelbild 2 Fritz Gehrke, Goslar
Nachdrucke
  • 1957: "LUNA Utopia-Roman" Heft # 9 · Walter Lehning-Verlag, Hannover · 66 S. · (gekürzt) · Cover: Fritz Gehrke (Signatur). 
  • Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
    bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
    Daten zuletzt bearbeitet
    von
    Alfred Beha

    ROBERT O. STEINER
    [ Hans Robert Queiser (*1921) ]

    ERON
    Ein Zukunftsroman um die Liebe

    Wenn es stimmt, daß Geistesgestörtheit viel schlimmer ist als der Tod, dann ist die schrecklichste Waffe, die während des zweiten Weltkrieges hervorgebracht wurde, nicht die Atombombe, sondern ein geheimnisvolles Gas mit dem Decknamen "Tabun", das in den letzten Jahren des Krieges entwickelt wurde. Zum ersten Male aber scheute der Mensch davor zurück, eine seiner teuflischsten Erfindungen auszubeuten - ein chemisches Mittel, das Gehirn und Nerven angreift und die davon Befallenen in tollwütige Wahnsinnige verwandelt, bevor es sie tötet. "Tabun" wurde nicht angewendet.

    Mit der dramatischen Handlung eines Kriminalromans und der farbigen Schilderung eines Sittenromans macht der Autor den ewigen Pendelschlag der sich wandelnden Moralauffassungen verständlich. Unter den menschlichen Trieben sind Hunger und Liebe die stärksten, sagt man. Aber ist nicht eigentlich der Machttrieb, der unsere heutige Welt bestimmt, der dem menschlichen Zusammenleben das Gesicht gibt?

    Steiner läßt in seinem neuen Roman einen Gelehrten ein Mittel finden, das den Machttrieb lähmt. Als unvermeidliche Folge ergibt sich dabei eine Verstärkung des Geschlechtstriebes - durch die Zivilisation zur Erotisierung des Lebens gemildert. Sobald die Entdeckung bekannt wird, beginnt ein heftiger Kampf der Mächtigen und der (vielleicht nicht ehrlichen) Moralisten gegen ihn. Eine außergewöhnliche Frau, exzentrisch, schön, klug, setzt "Eron" mit allen Mitteln durch und beginnt ein gewagtes Massenexperiment.

    Mit äußerster Spannung erlebt der Leser den Beginn einer erstaunlichen gesellschaftlichen Wandlung - aber auch die Stärke und das Beharrungsvermögen alter Bindungen. Die Hauptpersonen des Romanes stehen an den Brennpunkten des Geschehens. Sie werden als erste und am stärksten davon betroffen und mit ihrem Leben in Mitleidenschaft gezogen.

    R. O. Steiner hat es verstanden, einmal einen Zukunftsroman außerhalb der üblichen technischen Utopien mitreißend zu gestalten und mit seiner Phantasie in andere menschliche Bezirke vorzustoßen, als es gemeinhin bei ähnlichen Romanen geschieht. Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, ein reizvoller, unterhaltsamer Roman - ein Buch aber auch mit nachdenklichem Hintergrund.

    Impressum: Alle Rechte vorbehalten · Commedia Verlag Berlin · Commedia-Bücher Verlagsnummer 12 · Tauberdruck, Berlin-Tempelhof · Commedia-Bücher sind immer etwas besonderes.

    Vom gleichen Verfasser im gleichen Verlag: ES GESCHAH AM DRITTEN TAG · Technischer Zukunftsroman.

    COMMEDIA-BÜCHER - COMMEDIA VERLAG BERLIN

    [ OA | o. J. (1953) | 271+1=272 S. | 19 x 12,5 | Farb. ill. Supronyl m. SU: DM 6,80 ] +

    [ TG Katalog-91 | Illmer-244 | Serowy # 1162-2 | dnb- ]

  • "DIE LIEBE beherrscht unser Leben, wird sie auch das Leben der zukünftigen Menschheit beherrschen? Von den zukünftigen Problemen des Liebeslebens wird unser nächster Luna-Roman handeln, der ganz ungewöhnliche Anschauungen und Perspektiven bietet.
    So wird dieser Roman "ERON" nicht nur dem an utopischen Stoffen interessierten Leser gefallen, sondern vor allem auch den Kenner mit Geschmack erfreuen.
    Aber auch die Schrecken des geheimnisvollen Gases "TABUN", die bei weitem die der Atombombe übersteigen, eine teuflische Erfindung der Chemie, Gehirn und Nerven befallend, versetzen den Leser in Spannung, Erregung und vielleicht sogar erschauernde Angst."
    (Ankündigung des "Luna-Utopia-Romans" # 9 in Heft # 8)

  • Der Roman ERON wurde durch die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" indiziert, und zwar zunächst am 10.05.1957 der gekürzte LUNA UTOPIA Heftroman, und am 11. April 1958 - etwa 5 Jahre nach Erscheinen - auch das Leihbuch.

  • "Die vorkommenden weiblichen Personen werden unter Betonung ihrer körperlichen Reize sexuell-attraktiv dargestellt. Die Hauptfigur, die reiche Carven, tritt mit ihren Freundinnen wiederholt nackt auf, sie hat einen sinnlichen Mund und feste Brüste. Sie genießt ihre nackte Schönheit in einem raffinierten, schwarz gekachelten Badezimmer, in dem alle Wände aus Spiegelglas bestehen, so daß sie ihre allseitigen Spiegelbilder betrachten kann."
    (aus der Begründung der Bundesprüfstelle)

    Rezensionen / Materialien:

  • " In dem Roman geht es um den Impfstoff 'Eron', mit dessen Hilfe es Menschen gelingt, ihren ausgeprägten Macht- und Gewaltwillen in ein gesteigertes geschlechtliches Lustpotential umzuwandeln. Statt Machtmißbrauch nun sexueller Rausch, statt Gewaltausübung vermehrte Ausübung des Geschlechtsverkehrs. Die frühere weibliche Versuchsperson Carven wird zur Staatspräsidentin ausgerufen, ein Zeitalter der sexuellen Freizügigkeit, aber auch des immerwährenden Friedens beginnt . . . Im Rückblick freilich kann festgestellt werden, daß dieser Roman mit seiner utopisch-phantastischen Umsetzung menschlicher Friedenssehnsucht sowohl vom Inhalt wie von der Machart her durchaus heutzutage eine Neuauflage rechtfertigen würde und mit manchem modernen Science Fiction-Roman erfolgreich konkurrieren könnte."
    (Jörg Weigand: "Träume auf dickem Papier" · Nomos, Baden-Baden, 1995 · Seite 125)

  • Rudolf Steffen zur Indizierung von ERON: "Mit Entscheidung Nr. 310 vom 10.5.1957 wurde das Luna-Utopia-Heft Nr. 9 "Eron" von Robert O. Steiner indiziert . . . Dabei handelt es sich um eine gekürzte Ausgabe des vom gleichen Verfasser geschriebenen und 1952 im Commedia Verlag Berlin erschienenen Buches "Eron". Trotz erheblicher Streichungen wurde dieser Heftroman sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von der Bundesprüfstelle für unzüchtig angesehen. Bei "Eron" handelt es sich um eine Erfindung und Entwicklung von Professor Wagner, die bewirken sollte, daß die damit geimpfte Menschheit anstelle von Macht und Gewaltwillen von einer gesteigerten geschlechtlichen Triebhaftigkeit erfüllt würde, "ein Trieb zum anderen Geschlecht in einer alles überschwemmenden Stärke". Nach Tierversuchen werden die Menschenversuche mit den in den Impfstoff gesetzten Erwartungen durchgeführt und erfüllt."
    (Rudolf Steffen: "Gewalt in Utopia oder was wurde bisher an phantastischer Literatur von der Bundesprüfstelle als jugendgefährdend indiziert?" in: Jörg Weigand (Hrsg.): "Die triviale Phantasie - Beiträge zur 'Verwertbarkeit' von Science Fiction" · Asgard-Verlag, Bonn-Bad Godesberg, 1976)

  • "Der Roman ist sowohl für den Bereich des Sittenromans wie für die Science Fiction eine Kuriosität, freilich eine interessante und fesselnde."
    (Jörg Weigand: "Der Sittenroman im Leihbuch nach 1945" in: Almut Oetjen (Hg.): "Lexikon der erotischen Literatur" · Corian Verlag, Meitingen · Lose-Blatt-Sammlung: 12. Erg. Lfg. Okt 2003)

    [ Interessant dazu ein Waschzettel neueren Datums: "Professor Carlo Bacci gelingt eine sensationelle Entdeckung: Er findet eine Droge, die wahre Liebe erzeugen kann. Doch ein Bankier hat ganz andere Pläne mit Baccis Erfindung. Er will mit der Droge jeden Menschen gefügig machen . . ." (Michael Cordy: DAS WAHRHEITS-SERUM. Heyne TB # 3-453-43093-X. Januar 2006). ]