13751375
Autor Loys Masson
Titel Wenn der Blitz kommt
Roman
Verlag Stahlberg Verlag GmbH
Karlsruhe
Jahr 1959
Originaltitel Les Sexes Foudroyés
Originaljahr 1958
Übersetzer Cajetan Freund
Titelbild Gerhard M. Hotop
Titelbild 2 Gerhard M. Hotop
Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
Daten zuletzt bearbeitet
von
Alfred Beha

LOYS MASSON  [ 1915-1959 ]

WENN DER BLITZ KOMMT

Ein Blitz, der über uns kommt, kann nur der nukleare Blitz sein, kein reiner Wetterstrahl aus Thors Faust, sondern eine schwelende, verseuchende Wolke. Loys Masson, der Matrose und Gymnasiast von der Insel Mauritius im Indischen Ozean, steuert mit den Mitteln des Abenteuerbuches im Stile Joseph Conrads das modernste, das dreckigste aller Abenteuer an: die Versklavung des Menschen im Gefolge der Technik.

Fünfundzwanzig junge Männer, allesamt Sträflinge, mit ihren Aufsehern an Bord eines Schiffes mit unbekanntem Kurs im Pazifischen Ozean. Nur einer unter ihnen kennt Absicht und Ziel dieser Reise: der Gouverneur. Er schweigt. Was man von ihm hört, ist sein intensives Klavierspiel, das das Geheimnis dieses Mannes nur noch undurchdringlicher erscheinen läßt. Sie landen auf einer Insel im Südpazifik; mit ihnen die Passagiere eines zweiten Schiffes, fünfundzwanzig weibliche Sträflinge. Die Insel ist unbewohnt, aber es sind Unterkünfte militärischer Art vorbereitet, in denen sie untergebracht werden. Hier gibt es keine vergitterten Fenster, keine verschlossenen Türen. Man ist "frei". Nur ein hochspannungsgeladener Stacheldraht wird sichtbar; er teilt die Insel und trennt die Ankömmlinge nach Geschlechtern. Das Leben in dieser "Freiheit" wird zu einem Grauen, das alle gleichermaßen erfaßt, Sträflinge, Aufseher - ja selbst der Gouverneur scheint einem Verhängnis besonderer Art unterworfen.

In dieser erregenden Ungewißheit, welches Schicksal man ihnen zugedacht hat, werden die Gefangenen von Gerüchten gepeinigt, die ihr Dasein vergiften, ihr Menschsein zerstören. In der Siedehitze auf beiden Seiten des Stacheldrahtes, im Männer- und im Frauenlager setzt sich die Überzeugung durch, daß sie einem Atomversuch ausgesetzt werden, der auf ihre Erbanlagen zielt und auf die ihrer Kinder. Und der Blitz kommt und der Stacheldraht fällt . . .

Meisterhaft schildert Masson, wie die unheimliche Spannung vor dem Ereignis die Charaktere von Bewachern und Bewachten aushöhlt, vernichtet, und die Versuchsobjekte damit menschlich einer größeren Katastrophe ausliefert, als es die atomare Verheerung könnte.

Die Atomexplosion steht stellvertretend für eine gesellschaftliche Kettenreaktion. Jede Ballung technischer Phänomene begünstigt die Gewaltanwendung der Macht gegen die Person. Die überzogene Ausübung von Gewalt wird gedanklich und faktisch zur Perversion; die Brutalität wird unter solchen Umständen zur selbstverständlichen Umgangsform, fast schon zur Courtoisie unter Männern. Und weiter: die Überziehung der Gewalt verläßt, dank eines Verlustes an gesellschaftlicher Schwerkraft, den Boden der Realität - ausgedrückt im Symbol der penetranten Klaviermusik, die die Exzesse der Gewalt begleitet, und in der umgekehrt das schauerlich Irreale unter dem Druck der Macht Realität wird.

Ein im Ablauf, in den gedanklichen Konsequenzen faszinierendes Buch.

Ein Abenteuerbuch von heute? Eher ein Lehrstück von morgen.

Impressum: © 1959 · Stahlberg Verlag GmbH Karlsruhe · Alle Rechte vorbehalten · Titel der französischen Originalausgabe "Les sexes foudroyés" · Robert Laffont, Paris · übersetzt von Cajetan Feund · Einband Gerhard Hotop · Gesamtherstellung Ernst Pelda, Wien.

STAHLBERG VERLAG · KARLSRUHE

[ DEA | 1959 | 310 S. | 19,5 x 13 | Leinenband mit farbig illustriertem Schutzumschlag ]

[ Illmer-183 | Serowy # 809-1 (falscher Name, falsches Datum) | dnb+ ]

Materialien / Rezensionen:

  • "DER SPIEGEL" # 16/1960 (Seite 79)