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Autor Annie Francé-Harrar
Titel Der gläserne Regen
Roman
Verlag J. P. Toth Verlag Hamburg
Jahr 1948
Titelbild Günther T. Schulz
Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
Daten zuletzt bearbeitet
von
Alfred Beha

A. FRANCÉ-HARRAR  [ 1886-1971 ]

DER GLÄSERNE REGEN

Roman

Die uralte Frage, ob unter den unendlich vielen Gestirnen, die der nächtliche Himmel geheimnisvoll aus den Tiefen des Alls aufblinken läßt, auch nur ein einziges sei, welches vernunftbegabte Wesen, menschenähnliche Geschöpfe, trägt wie unsere kleine Erde - diese Frage wird ebenso wenig verstummen wie der Wunsch, mit den Welten, die gleich uns im Raume kreisen, einmal und auf irgend eine Weise in Verbindung zu gelangen. Uns allen ist gegeben, zu träumen und die Gedanken schweifen zu lassen, aber nur wenigen ist es vergönnt, ihren Traum zu gestalten und mit jener Anschaulichkeit zu beleben, die ihn zu einer gern geglaubten Wahrheit macht.

Annie Francé-Harrar zählt zu den Wenigen, die dichterische Gestaltungskraft mit dem Wissen um die Geheimnisse und Wunder der Natur verbinden und vertraut sind mit den Fragen und Rätseln biologischer Forschung. Die Liebesgeschichte eines Forschers und einer Journalistin bildet den Hintergrund für das Geschehen auf unserem Stern. Kühne Phantasie und wissenschaftlicher Ernst haben Pate gestanden bei diesem neuen Werk, in dem ein Traum der Menschheit Erfüllung findet. Geheimnisvolle Wesen eines fernen Gestirns werden für uns existent, die nicht auf die sonst übliche billige Manier nach Menschenart geformt sind, sondern nach den Gesetzen der kristallinen Welt. Es ist eine Schöpfung von dichterischen Gnaden - farbig, leuchtend und voll hoher Spannung.

Annie Francé-Harrar. Sie bezeichnet sich als eine echte Europäerin, gemischt aus West und Ost. Als Medizinerin begann sie, dann studierte sie Biologie und spezialisierte sich auf Bodenbiologie, um mit ihrem Manne zusammenarbeiten zu können. Fast dreimal reiste das Ehepaar um den ganzen Erdball, dann wieder hielten jahrelange Studien sie am Mikroskop im Laboratorium fest. Nahezu dreißig Jahre lang war Annie Francé-Harrar Ehefrau, Reise- und Arbeitskamerad des weltbekannten Biologen Raoul H. Francé. Gemeinsam bauten sie ein achtungsgebietendes naturphilosophisches Lebenswerk auf, das die treue Gefährtin nach dem Tode des Gatten weiterführt. Zur Zeit hat sie sich ganz der Humuswissenschaft verschrieben, und ein umfassenden Werk darüber ist im Entstehen.

Beachtliches Tatsachenwissen, verbunden mit einer bei Frauen nicht eben häufigen geistigen Organisations- und Darstellungskraft, zeichnen das Werk von Annie Francé-Harrar aus. Vierzig Bücher, darunter mehrere Romane, wissenschaftliche, populär-wissenschaftliche und liebenswürdig feuilletonistische Arbeiten, ein halbes Dutzend natur- und kulturwissenschaftlicher Reisemonographien, in denen sich die weite Ferne der Welt spiegelt, auch prähistorische Werke, zoologische und botanische, legen Zeugnis ab von ihrem unerhörten Fleiß.

Ihre vielseitige Persönlichkeit verrät sich in ihren Schriften. Unvergeßlich ist ein Spaziergang mit ihr. Sie verzaubert die alltägliche Welt in ein fremdartiges Gestirn voller Rätsel und Geheimnisse. Ungeahnte Zusammenhänge macht sie deutlich und in einer ihr eigenen höchst originellen Art begreiflich. Unter ihrem Zauberstab wird Unverständliches sinnvoll. Sie hat Charme und Geist, ihr trockener Humor ist bestechend. Von Natur aus verständnisvoll und hilfsbereit, ist sie ebenso geduldig wie eigensinnig dort, wo es ihr darauf ankommt. Bis zum letzten Atemzug wird sie eine leidenschaftliche Lernerin bleiben, weil sie eine ewig Wißbegierige ist.

J. P. TOTH VERLAG GMBH - HAMBURG

[ OA | (Herbst) 1948 (1. Auflage) | 612 S. | 21 x 13,5 | HLn m. farb. ill. SU - DM 16,80 | Schutzumschlagentwurf von Günther T. Schulz | mit einem Foto der Verfasserin auf dem Schutzumschlag | mit Verlagsprogramm auf der Innenseite des Schutzumschlags ] +

Rezensionen / Materialien:

  • H.-J. Galle: "Annie Francé-Harrar" in: Quarber Merkur (Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik) # 30, April 1972.

  • "Den wichtigsten und zugleich umfangreichsten Beitrag der Autorin zur Science Fiction stellt ihr 1948 erschienener Roman "Der gläserne Regen" dar, in dem sie auf über 600 Seiten die Geschicke der Menschheit mit der zum Untergang geweihten Zivilisation der Mondbewohner verknüpft. Die Lebewesen auf unserem Trabanten existieren auf Siliziumbasis und halten die Erde für unbewohnt.
    Als sie beschließen, wegen der ständig größer werdenden Ressourcenknappheit vom Mond zur Erde umzusiedeln, starten sie ein "Terraforming"-Projekt, das zu fatalen Auswirkungen für das Leben auf der Erde führen würde. Es ist dem Genius eines australischen Wissenschaftlers zu danken, dass die Kontaktaufnahme gelingt, und er ist es schließlich auch, der neue Engergiereserven auf dem Mond entdeckt, die das Überleben der Mondwesen dort sichern.
    Diesem nach "Hard-SF" klingenden Teil der Geschichte stellt Francé-Harrar zwei Erzählstränge an die Seite, in denen die Lebensgeschichten des Wissenschaftlers Frank Neal und seiner Schwägerin Janet Maine erzählt werden, und die sich am Ende zu einem anrührenden Finale zusammenfinden. Dabei gelingen ihr vor allem bei der Beschreibung des Lebens von Janet unter den Aborigines erzählerische Passagen von großartiger Sprachkraft."
    ("Die Frau im Mond oder Wie weit hätte es die Science Fiction ohne Frauen denn gebracht? Eine literaturhistorische Studie von Horst Illmer und Matita Leng" in: phantastisch # 25 - Ausgabe 1: 2007. Verlag Achim Havemann, Hitzacker.)