18701870
Autor Croixelles
(Heinrich Kreisel)
Titel Der schwarze Stern
Utopischer Roman
Verlag Franz Schneekluth Verlag, Celle
Jahr 1950
Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
Daten zuletzt bearbeitet
von
Alfred Beha

CROIXELLES  [ Heinrich Kreisel (1898-1975) ]

DER SCHWARZE STERN
Utopischer Roman

Der Verfasser von "Antlitz ohne Gnade" schrieb diese Utopie einer großen kriegerischen Auseinandersetzung des Westens mit dem Osten. Zur Warnung gibt das Buch auch einen Weg, eine Andeutung der seelischen Kräfte, die die Menschheit aus dem Chaos zu führen vermögen.

Der "Schwarze Stern" ist das Dritte, das sich der Spaltung der Welt zwischen Rot und Weiß, zwischen Ost und West entgegenstellt und einen dritten Weltkrieg, bei dem es kein anderes Ergebnis geben kann, zum Erlöschen bringt. Das ist das Utopische an dem neuen Buch des Verfassers von "Antlitz ohne Gnade". Aber diese Utopie bedeutet eine Hoffnung und einen Ausweg. Croixelles verzweifelt nicht an dem Menschen, wie George Orwell in seinem fürchterlichen "1984". Er glaubt an die Vernunft und den guten Willen.

Dr. Sam Bethel in Harlem gründet die Bruderschaft des Schwarzen Sterns und seine Tochter, die Tänzerin Ruth Bethel, ist die aktivistische Politikerin dieser pazifistischen Negersekte. Der Stern der Versöhnung ist schwarz, denn die Neger sehen ihre weltgeschichtliche Stunde gekommen, dem "weißen" Bruder in den Arm zu fallen, damit er nicht in verblendetem Haß mit der "Hyperbombe", die der übertechnisierte Hyperstaat erfunden, die Welt vernichte.

Bethel kann den Ausbruch des Konflikts nicht verhindern. Aber sein Wort, in Millionen von Flugblättern abgeworfen und durch den Äther getragen, trifft das Ohr des Menschen, der in entsetzlichen Kriegsjahren Unbeschriebliches erduldet und so aufgeschlossen wird für die Lehre der Liebe. Die Flugzeuge mit dem roten Stern des Ostens und die mit dem weißen Stern des Westens werfen Bethels Predigten ab über dem Feind, um seine Kampfmoral zu lähmen. Dadurch aber dienen beide Kriegführende Bethels Ruf zum Frieden und bringen ihn zum Durchbruch und Sieg.

Wenn das Buch auch die militärischen Operationen eines dritten Weltkrieges unter Berücksichtigung aller denkbaren modernen Waffen, wie des Jet-Flugzeugs, des Schnorchel-U-Boots, der Atombombe und der "Fliegenden Untertassen" schildert, so nimmt die Beschreibung des Krieges selbst nur etwa ein Viertel des Buches ein. Vielmehr liegt der Schwerpunkt der Darstellung in einem subtilen Herausarbeiten aller der seelischen Nöte und kollektivern Kräfte, die zum Krieg führten und die dann aber den Kampf aufhoben. So werden die Romanfiguren zu Trägern einer weltgeschichtlichen Handlung: neben Dr. Bethel und seiner Tochter Ruth sowie seinem Sohn Othello, dem Major der Amerikanischen Luftflotte, steht ein zurückgehaltener deutscher Kriegsgefangener Bruno Becker, der dann die Partisanen des Schwarzen Sterns in Rußland führt, während der ehemalige deutsche Volkspolizist Kersten, an der Spitze der westlichen Partisanen, sich später mit Becker vereinigt. Beide Partisanenarmeen ersetzen den roten und den weißen Stern an ihren Stahlhelmen durch den schwarzen und kämpfen nur noch gegen den Krieg als solchen und für den Frieden. Achmed Muruni, der Beauftragte der Kominform für Afrika, nimmt mit Ruth Bethel schon vor Ausbruch des Krieges Verbindung auf und schließt mit ihr den schwarzen Pakt. Später tritt auch er der Bruderbewegung bei und erhält aus Ruths Händen nach der Hinrichtung Sam Bethels die Führerschaft der Bruderschaft. Der ehemalige deutsche U-Bootkommandant Ferka wird als "Kaliningrader" Russe und führt als russischer Korvettenkapitän den Angriff mit Atomraketen gegen den Panamakanal durch.

Das Buch kämpft in vielem mit den Mitteln der Satire. Aber es kämpft leidenschaftlich für den Menschen, um seine Würde und um sein Recht auf Leben, das ihm die "kollektiven" Mächte nehmen wollen, ja, längst schon genommen haben.

Der Stoff ist global und die Handlung auch, die Amerikaner und Russen, Deutsche und Engländer, Mexikaner, Neger, Inder und Chinesen tragen. Das Buch faßt - so glaubt der Verlag - mitten in die jetzigen geistigen und politischen Spannungen und Auseinandersetzungen und wird die Gemüter der Menschen bis ins Tiefste ergreifen.

Copyright 1950 by Franz Schneekluth Verlag in Celle · Schutzumschlag und Einband von Heinrich Wehmeier · Gesamtherstellung Mohn & Co GmbH Gütersloh.

BEI FRANZ SCHNEEKLUTH IN CELLE

[ OA | 1950 | 430 S. | 19 x 13 | Roter Leinenband mit farb. ill. Schutzumschlag | mit 1 Seite Verlagswerbung ]

Rezensionen / Materialien:

  • Herbert Fenske in: "Bücherei und Bildung" · 1951 · 3. Jg. · 5. Heft · Mai 1951: " ... das Buch wurde offensichtlich von einem Militärsachverständigen geschrieben. Seine Annahmen über den Verlauf des Krieges und die zur Anwendung gelangenden technischen Zerstörungsmittel tragen einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit in sich. In das Gebiet der Utopie verliert sich der Roman bei der Beschreibung des Werdens des "Schwarzen Sternes" von einer religiösen Negersekte zu einer weltumspannenden Friedensbewegung. Der Begründer der Sekte, ein ehrwürdiger Negerpriester, verliert dabei sein Leben. Sein Werk wird von seinen beiden Kindern fortgeführt, wobei besonders die Tochter, eine besessene Tänzerin, eine höchst unwahrscheinliche Rolle spielt. Diese Nebenfiguren treten aber völlig in den Hintergrund. Was bleibt, ist das eindrucksvolle Bild der Selbstvernichtung, wenn es uns nicht gelingt, den Frieden zu erhalten. So gesehen, liegt der Wert des Buches in der Stärkung der Kräfte, die sich aus kühlen und klaren Vernunftsgründen für den Frieden einsetzen. Die Volksbüchereien sollten mit der Einstellung dieses Buches dieser Aufgabe dienen."