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Autor Karl Herbert Scheer
Titel Vergessen
Zukunftsroman
Verlag Balowa
Gebrüder Zimmermann Verlag
Balve
VerlagsNr. 107
Jahr 1958
Titelbild Rolf Wansart
Titelbild 2 Rolf Wansart
Nachdrucke
  • 1960: "TERRA Utoprische Romane" Heft # 103 (Teil I) und # 104 (Teil II): "Die Vergessenen". Moewig, München.
  • 1967: "TERRA EXTRA" Heft # 159 (Teil 1) und # 160 (Teil 2): "Die Vergessenen". Moewig, München.
  • 1976: "K. H. Scheer Utopia Bestseller" TB # 8: "Vergessen". Pabel, Rastatt. Vom Autor (und Heidrun Scheer) bearbeitete Neufassung. 161 S. | 1980: 2. Auflage.
  • 1984: "K. H. SCHEER" Band # 3. Engelbert Verlag, Balve ("peb Bücherei"). HC, laminiert, m. Deckel-Ill., 8°, 218 S. 
  • Das (c) der Texte und Titelbilder liegt
    bei den Verlagen, Autoren und Künstlern
    Daten zuletzt bearbeitet
    von
    Alfred Beha

    K. H. SCHEER
    [ Karl-Herbert Scheer (1928-1991) · alias Alexej Turbojew · alias Roger Kersten · alias Klaus Tannert / Rolf Torak ]

    VERGESSEN
    Zukunftsroman

    Ein Mann haßt den vierten Planeten der Sonne Sirrah, da diese Welt gleich einem denkenden Wesen bemüht zu sein scheint, die fremden Eindringlinge zu vernichten. Auf Sirrah IV gibt es nur noch wenige Landstriche, die von Menschen und menschenähnlichen Wesen bewohnt werden können. Erstaunlicherweise nimmt die Radioaktivität der gesamten Oberfläche laufend zu, was den Mann mit dem einfachen Namen Gantor auf den Weg bringt, Zusammen mit seinem Lehrer, dem letzten Überlebenden der galaktischen Kolonisten, dringt er bis zu den Grenzen eines riesigen Raumhafens vor, der von einem unbeeinflußbaren Robotgehirn für alle Zeiten gesperrt werden soll. Drohend und absolut tödlich wölbt sich die Glocke des Gravitations-Magnetischen-Energieschirmes über dem Hafen, dessen startklare Raumschiffe einzig und allein eine Flucht von der verseuchten Welt ermöglichen. In der Bunkerstadt von Lagthal hausen die Nachkommen jener Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe noch in die Schutzräume flüchten konnten. Erschreckend und unfaßlich sind die Maßnahmen, die von dem menschlichen und dem mechanischen Herrscher eingeleitet und aufrechterhalten werden. Niemand darf die Oberfläche betreten. Es ist bei Todesstrafe verboten, die unterirdische Stadt zu verlassen. Geheimnisvoll und gänzlich unverständlich erscheinen die Anordnungen eines grundsätzlich logisch denkenden Robotgehirns, das jeden Start in den Raum und damit eine Auswanderung verbietet. Verbittert schließt sich Gantor einer Widerstandsbewegung an, deren Oberhaupt längst erkannt hat, daß die Menschheit auf Sirrah IV keine Zukunft hat.

    Einmalig und grandios sind die psychologisch und philosophisch großartig gebrachten Erlebnisse eines jungen Menschen, dessen Sein nur noch aus einem verzehrenden Haß gegen die Herrscher der Siedlung besteht. Mit allen Mitteln seines hohen Könnens und den unbegreiflichen Werkzeugen eines telekinetischen Geistes kämpft er gegen eine Gewalt, die zu unwirklich und zu unlogisch handelt, um nur annähernd begriffen zu werden.

    Erst als Gantor den Energieschirm durchdrungen hat; als er anschließend vor dem verstehend lächelnden "Unfehlbaren" und dem unpersönlichen Mechanismus eines genialen Elektronengehirns steht, erkennt er, daß die auf Sirrah IV explodierenden Kobaltbomben zum Wohle der Menschheit dienen. Resignierend, seinen eigenen Haß besiegend, wird er zum Hüter unzufriedener Menschen. Sein eigenes Ich findet den Frieden in einer Philosophie der stillen Demut; denn die Erhaltung der Rasse liegt in der fernen Zukunft. Der Vernichtungswille gebar den Glauben, und über Sirrah IV explodieren weiterhin atomare Waffen.

    BALOWA-VERLAG - GEBR. ZIMMERMANN - BALVE / WESTFALEN

    [ OA | o. J. (1958, 1.-5. Tsd.) | 270 S. | 14,5 x 21 | Schwarzer Leinenband m. Deckelvignette u. Rückenbeschriftung in Gold, m.. farb. ill. SU: DM 7,80 | mit Werbung für den Utopia-Spezialversand und die Zeitschrift TRANSGALAXIS | mit Coverabbildungen für die "Zukunftsromane von K. H. Scheer" "Der Mann von Oros" und "Die lange Reise" auf der SU-Rückseite ] =+

    [ TG # 3 - April 1958 || ddb+ ]

    Rezensionen / Materialien:

  • "Irgendwo in der Milchstraße dreht sich ein Planet um eine ferne Sonne. Eine mutierte Rasse vegetiert unter dem Schutz zweier Menschen, die anscheinend die letzten einer vergessenen Katastrophe sind. Der Planet wird von einer erschreckenden Fauna beherrscht und diese, im Verein mit Naturphänomenen rätselhafter Art, läßt kaum Hoffnung auf ein Überleben.

    Gantor, der junge Waffenschmied, verläßt mit seinem Lehrer, dem alten Physiker, eines Tages den Stamm, um die Reste der Menschheit zu suchen. Trampol, der Lehrer, weiß, daß dieser Planet vor der Katastrophe riesige unterirdische Stationen hatte und hofft, daß es ihnen gelingt, diese technischen Wunderanlagen zu erreichen und dort vielleicht Überlebende zu finden. Gantor, der Junge, wurde infolge der Strahlung zum Telepathen und verfügt über ungeheure telekinetische Kräfte. Sein Lehrer weiß es und er setzt nun alles daran, diese Fähigkeiten auszubilden. Eines Tages gelingt es ihnen, nach großartigen Erlebnissen und Abenteuern, den Energieschirm zu finden, der ein ganzes Landgebiet absichert.

    Auf der Oberfläche sehen sie gewaltige Anlagen, Raumschiffbasen und startbereite Schiffe - jedoch kein Leben menschlicher Art. Kampfmaschinen und Robots sichern das Areal ab und mehr ein Zufall läßt sie einen Eingang außerhalb des Schirms finden. Zu ihrer grenzenlosen Überraschung finden sie hier eine Welt im Inneren des Planeten, die sowohl technisch wie sozial betrachtet, Formen vermittelt, die völlig von den Erwartungen abweichen. Ein anonymer Herrscher hält die Hunderttausende dieser Unterwelt mit einer unverständlichen Logik in Bann und keiner dieser Menschen weiß, daß die Welt über ihnen bewohnt ist. Generationen schufen den Haß gegen die Herrschaft und Gantor, der Telepath, wird Führer der großen Aufstandsbewegung, deren Ziel es ist, den Diktator zu stürzen, dem Vergessen zu entfliehen und die Sterne zu erreichen. In dramatischen Konflikten und Kämpfen, welche letztere mit allen Mitteln der Technik und der Parapsychologie ausgetragen werden, kommt Gantor an das Ziel, und hier findet er eine furchtbare Erkenntnis, die ihn, den neuen Herrscher dieser Welt, vor eine Aufgabe stellt, die ihn zum einsamsten Mann der Menschheit werden läßt.

    Die Verlage der Gebr. Zimmermann, unbestreitbar die z. Zt. führenden Buch-Verlage für utopische Literatur, haben mit K. H. Scheer einen Autor unter Vertrag, der vielen seiner Kollegen Eines voraus hat: Jeder Roman wird besser als der vorhergehende. Das ist erstaunlich und ganz besonders für einen Berufsschriftsteller, dem bekanntlich stets ein Zeitlimit zur Seite steht. Ich glaube, daß K. H. Scheer neben seiner Begabung wohl eine Berufung darin sieht, utopische Romane zu schreiben und das wäre dann die Erklärung für die oben genannte Tatsache. Amerikaner und Engländer können nicht mehr Besseres schreiben - die Angleichung ist erreicht. Mögen Themen und Ausführung verschieden sein - die Qualitätsstufe ist absolut gleichwertig."

    (Heinz Bingenheimer in TRANSGALAXIS # 3 - Aug 1958)